
«Spreche morgen Rolf»
Ein jüdisches Familienschicksal zwischen Berlin und Basel, 1933 bis 1945
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«Spreche morgen Rolf»
Das einsickernde Grauen – ein jüdisches Familienschicksal zwischen Berlin und Basel in originalen Briefen
Die Kinder Anita und Reinhard Frank in Berlin, die Mutter Hilde in Basel, nur durch hoffnungsvolle Briefe und Postkarten verbunden. Die Korrespondenz der Tochter Anita an die Mutter sind in «Spreche morgen Rolf» (Christoph Merian Verlag) das Herzstück: Sie schaffen eine Nähe, die weit hinausgeht über das rationale Erfassen der nationalsozialistischen Gräuel gegenüber der jüdischen Bevölkerung. Das chronologisch aufgebaute Buch wird ergänzt durch einordnende Texte, viele Fotos und weitere Briefe aus dem Umfeld der Familie Frank und ist ein berührendes Zeugnis auf der Grundlage von seltenen Zeitdokumenten.
Erst nach den Novemberpogromen 1938 wurde sich die früh verwitwete und vermögende Hilde Frank (1894–1945) der akuten Gefahr bewusst. Da sie keine Möglichkeit einer gemeinsamen Flucht mit ihren Kindern sah, versuchte sie zunächst, die Kinder vorübergehend nach England zu versenden und sich selbst durch eine Heirat mit einem Schweizer in die Schweiz zu retten. Der Kindertransport scheiterte im September 1939, da kurz zuvor der Krieg ausgebrochen war. Nun zog sich die Schlinge immer enger zu. Hilde lebte ab 1940 verheiratet in Basel, während die Kinder Anita (1921–1945) und Reinhard (1928–2010) in Berlin bei wechselnden Pflegeeltern wohnten und Anita eine Ausbildung im Jüdischen Krankenhaus Berlin begann.
Anitas Briefe erzählen von ihrem zunächst weitgehend unbehelligt verlaufenden Alltag und von ihrer Beziehung zu Rolf Schulmeister (1919–1945). Im Lauf der Jahre behalten sie ihren fröhlichen Ton, berichten aber auch von den zunehmenden Schikanen, denen Anita und ihre Verwandten und Bekannten ausgesetzt waren. Aufgrund der Zensur begann sie, alles Negative zu verschlüsseln. «Spreche morgen Rolf» war der Abschiedsgruss, den Anita am Vorabend ihres Weitertransports von Theresienstadt nach Auschwitz an die Mutter sandte – die chiffrierte Ankündigung des letzten Ganges zu ihrem Geliebten, der zwei Jahre zuvor deportiert worden und ihrer Meinung nach nicht mehr am Leben war. Sie verwendete ihn 1944 auf ihrer letzten Postkarte nach Basel. Von Auschwitz wurde sie weiterdeportiert nach Bergen-Belsen, wo sie 1945 umkam.
Reinhard überlebte die Lager. Als 17-Jähriger konnte er beim Herannahen der russischen Armee im Januar 1945 fliehen. Vom frühen Tod der Mutter erfuhr er erst, als er nach Kriegsende nach Basel einreisen durfte. Später überliess er seinem Nachlassverwalter Christian Brückner die Korrespondenz seiner Mutter mit dem Wunsch nach Veröffentlichung. Dieses Anliegen hat Christian Brückner mit der Herausgabe von «Spreche morgen Rolf» umgesetzt. Die einzigartigen Briefe erzählen von Beistand, Liebe und Mut im Alltag deutscher Jüdinnen und Juden während der Nazi-Diktatur. Sie helfen, ihren Lebens- und Leidensweg nicht zu vergessen.
Christian Brückner (* 1942) war Reinhard Frank, dem einzigen Überlebenden der Familie, als Testamentsvollstrecker verbunden. Der gebürtige Basler arbeitete als Rechtsanwalt und Notar in seiner Heimatstadt und war dort an der Universität als Dozent tätig, ab 1991 als ausserordentlicher Professor für Privatrecht. Seine Publikationen umfassen Bücher und Aufsätze zu juristischen und anderen Themen.
Christian Brückner (Hg.)
«Spreche morgen Rolf»
Ein jüdisches Familienschicksal zwischen Berlin und Basel, 1933 bis 1945
232 Seiten, 53 teils farbige Abbildungen, in Leinen gebunden 15,5 x 23 cm
© 2025 Christoph Merian Verlag
CHF 29.– / EUR 29,–
978-3-03969-039-8
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